Trockenheit, Brennen, Juckreiz oder Schmerzen beim Sex: Scheidentrockenheit gehört zu den häufigen Beschwerden in den Wechseljahren – trotzdem wird noch immer viel zu selten offen darüber gesprochen.
Viele Frauen denken zunächst an eine Infektion oder fragen sich sogar, ob sie selbst etwas falsch gemacht haben.
Im Podcast Hormonzeit sprechen Dr. Robinson Ferrara und Margit darüber, warum Scheidentrockenheit in den Wechseljahren entsteht, welche Symptome auftreten können und welche Möglichkeiten es gibt, Beschwerden zu lindern.
Was ist Scheidentrockenheit?
Eine gesunde Vaginalschleimhaut ist normalerweise elastisch, gut durchblutet und ausreichend befeuchtet.
Östrogen spielt dabei eine wichtige Rolle.
Das Hormon unterstützt unter anderem:
- die Durchblutung der Vaginalschleimhaut
- ihre Elastizität
- die Kollagenstruktur
- die natürliche Befeuchtung
- ein stabiles Scheidenmilieu
Sinkt der Östrogenspiegel während der Wechseljahre, können sich diese Strukturen verändern.
Die Schleimhaut kann dünner, empfindlicher und trockener werden.
Warum entsteht Scheidentrockenheit in den Wechseljahren?
Weil Östrogen während der Wechseljahre langfristig abnimmt, kann die Vaginalschleimhaut weniger Feuchtigkeit produzieren.
In der Medizin werden diese Veränderungen teilweise als vulvovaginale Atrophie beziehungsweise im weiteren Zusammenhang als genitourinäres Syndrom der Menopause bezeichnet.
Dabei können nicht nur Scheide und äußere Genitalregion betroffen sein, sondern auch Harnwege und Blase.
Das erklärt, warum manche Frauen gleichzeitig über Trockenheit und wiederkehrende Beschwerden beim Wasserlassen berichten.
Typische Symptome von Scheidentrockenheit
Scheidentrockenheit bedeutet nicht ausschließlich, dass sich die Scheide „trocken“ anfühlt.
Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein.
Typische Symptome sind:
- trockenes oder spannendes Gefühl
- Brennen
- Juckreiz
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Schmerzen beim Eindringen
- kleine Einrisse oder Mikroverletzungen
- Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr
- Brennen nach dem Sex
- häufiger Harndrang
- Beschwerden ähnlich einer Blasenentzündung
- Probleme beim längeren Sitzen
- Beschwerden beim Fahrradfahren oder Reiten
Dr. Robinson beschreibt im Podcast, dass gerade Brennen, Juckreiz und Schmerzen häufig zunächst für eine Infektion gehalten werden, obwohl hormonelle Veränderungen dahinterstehen können.
Wie fühlt sich Scheidentrockenheit an?
Viele Frauen beschreiben ein trockenes, gespanntes oder wundes Gefühl im Intimbereich.
Besonders deutlich werden die Beschwerden häufig beim Geschlechtsverkehr.
Penetration kann plötzlich unangenehm oder schmerzhaft werden, obwohl vorher keinerlei Probleme bestanden.
Im Podcast berichtet Dr. Robinson, dass unter anderem Fahrradfahren und Reiten für betroffene Frauen unangenehm werden können.
Scheidentrockenheit oder Pilzinfektion?
Brennen, Juckreiz und Beschwerden im Vaginalbereich werden schnell mit einem Scheidenpilz oder einer bakteriellen Infektion verbunden.
Die Symptome können sich tatsächlich ähneln.
Deshalb ist eine genaue Untersuchung wichtig.
Dr. Robinson beschreibt im Podcast, dass Frauen teilweise zunächst Antibiotika oder Antipilzmittel erhalten, obwohl die Ursache der Beschwerden möglicherweise eine veränderte Vaginalschleimhaut beziehungsweise ein Östrogenmangel ist.
Wer dauerhaft oder wiederholt Beschwerden hat, sollte deshalb nicht immer wieder ausschließlich auf Verdacht selbst behandeln.
Scheidentrockenheit und Blasenentzündungen
Auch Beschwerden an den Harnwegen können mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen.
Frauen berichten beispielsweise über:
- häufigen Harndrang
- Brennen beim Wasserlassen
- wiederkehrendes Gefühl einer Blasenentzündung
- Reizungen im Intimbereich
Da Scheide, Harnröhre und Blase anatomisch eng miteinander verbunden sind und ebenfalls auf Östrogen reagieren, können sich Veränderungen des Hormonhaushalts auch dort bemerkbar machen.
Wichtig ist trotzdem: Beschwerden beim Wasserlassen sollten medizinisch abgeklärt werden, um beispielsweise eine tatsächliche Infektion auszuschließen.
Warum Scheidentrockenheit die Sexualität beeinflusst
Wenn Sex schmerzt, entsteht schnell ein Kreislauf.
Die Frau weiß bereits vorher, dass eine Berührung oder Penetration unangenehm werden könnte.
Dadurch entsteht Angst vor dem Schmerz.
Die Lust nimmt ab.
Nähe wird vermieden.
Und schließlich kann sich die Sexualität innerhalb einer Partnerschaft stark verändern.
Dr. Robinson und Margit sprechen im Podcast darüber, dass sich manche Frauen vollständig zurückziehen und sogar Berührungen vermeiden, weil sie den damit verbundenen Schmerz erwarten.
Das kann langfristig auch die Partnerschaft belasten.
Weniger Lust auf Sex bedeutet nicht automatisch Libidoverlust
Wenn eine Frau keine Lust mehr auf Sex hat, steckt dahinter nicht zwangsläufig ein hormonell bedingter Libidoverlust.
Manchmal ist die Erklärung viel einfacher:
Wenn Sex weh tut, möchte man ihn vermeiden.
Daher sollte bei sexueller Unlust immer auch nach körperlichen Beschwerden gefragt werden.
Scheidentrockenheit und Schmerzen können ein entscheidender Faktor sein.
Was hilft bei Scheidentrockenheit?
Die Behandlung hängt von Ursache und Ausprägung der Beschwerden ab.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die teilweise miteinander kombiniert werden können.
Dazu gehören beispielsweise:
- Feuchtigkeitspräparate
- Gleitgele
- angepasste Intimpflege
- lokale hormonelle Behandlungen
- weitere medizinische Therapien
Welche Behandlung geeignet ist, sollte individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.
Gleitgel bei Scheidentrockenheit
Gleitgel kann insbesondere beim Geschlechtsverkehr helfen, Reibung zu reduzieren.
Dr. Robinson empfiehlt im Podcast hochwertige Gleitgele auf Wasser- oder Silikonbasis und rät insbesondere bei empfindlicher Haut zu Produkten mit möglichst wenigen Zusatzstoffen.
Bei empfindlicher Vaginalschleimhaut können unter anderem Duftstoffe oder andere Inhaltsstoffe zusätzliche Reizungen verursachen.
Gleitgel behandelt jedoch nicht zwangsläufig die zugrunde liegende Ursache.
Es dient zunächst dazu, Reibung und Beschwerden beim Sex zu reduzieren.
Intimpflege bei Scheidentrockenheit: Weniger ist oft mehr
Übertriebene Intimhygiene kann das natürliche Scheidenmilieu beeinträchtigen.
Stark parfümierte Produkte, aggressive Duschgele oder häufiges Waschen können empfindliche Schleimhäute zusätzlich reizen.
Dr. Robinson rät im Podcast deshalb zu einer zurückhaltenden Intimpflege.
Oft kann lauwarmes Wasser bereits ausreichend sein. Werden Pflegeprodukte verwendet, sollten diese möglichst gut verträglich und für den Intimbereich geeignet sein.
Sex trotz Scheidentrockenheit: Druck herausnehmen
Sexualität muss nicht ausschließlich aus Penetration bestehen.
Gerade bei Beschwerden kann es hilfreich sein, mehr Zeit für Erregung und Vorspiel einzuplanen.
Durch sexuelle Erregung wird die Durchblutung des Intimbereichs verbessert.
Dr. Robinson empfiehlt im Podcast außerdem, Druck aus der Situation zu nehmen und Sexualität wieder breiter zu betrachten.
Das Ziel sollte nicht sein, Schmerzen „auszuhalten“.
Wenn etwas unangenehm ist, sollte die Ursache geklärt werden.
Lokales Östrogen bei Scheidentrockenheit
Bei hormonell bedingter Scheidentrockenheit kann eine lokale Östrogentherapie eine mögliche Behandlung darstellen.
Im Podcast nennt Dr. Robinson unter anderem:
- Östrogencremes
- Vaginalovula
- Vaginalzäpfchen
- weitere lokal angewendete Präparate
Das Ziel besteht darin, die Vaginalschleimhaut lokal zu unterstützen.
Ob eine solche Therapie geeignet ist, sollte immer individuell ärztlich beurteilt werden.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
In der Podcastfolge spricht Dr. Robinson außerdem über weitere medizinische Verfahren, die teilweise zur Behandlung von Beschwerden eingesetzt werden.
Dazu gehören unter anderem:
- DHEA-Präparate
- Laserbehandlungen
- PRP-Behandlungen
- Hyaluronsäure beziehungsweise Hyaluron-basierte Verfahren
Dr. Robinson beschreibt diese Möglichkeiten als zusätzliche beziehungsweise unterstützende Ansätze.
Welche Verfahren medizinisch sinnvoll sind und wie gut sie für eine konkrete Patientin geeignet sind, muss individuell beurteilt werden.
Was ist PRP?
PRP steht für Platelet-Rich Plasma, also plättchenreiches Plasma.
Dafür wird zunächst eigenes Blut entnommen und anschließend aufbereitet.
Bestimmte Blutbestandteile werden dabei konzentriert und anschließend für regenerative Behandlungen verwendet.
Im Podcast erklärt Dr. Robinson, dass entsprechende Verfahren auch im Bereich der Vaginal- beziehungsweise Intimregion eingesetzt werden können.
Ob eine solche Behandlung sinnvoll ist, sollte im Einzelfall ärztlich besprochen werden.
Wann sollte man mit Scheidentrockenheit zum Frauenarzt?
Wenn Beschwerden länger anhalten oder immer wieder auftreten, sollte eine gynäkologische Untersuchung erfolgen.
Besonders wichtig ist eine ärztliche Abklärung bei:
- länger anhaltendem Brennen
- starken Schmerzen
- wiederkehrendem Juckreiz
- Blutungen
- auffälligen Hautveränderungen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- wiederkehrenden Harnwegsbeschwerden
- zunehmenden Veränderungen am Scheideneingang
Dr. Robinson weist im Podcast außerdem darauf hin, dass hinter bestimmten Beschwerden auch andere Erkrankungen stecken können.
Lichen sclerosus: Wenn mehr hinter den Beschwerden steckt
Eine mögliche Differentialdiagnose ist Lichen sclerosus.
Dabei handelt es sich um eine chronische Erkrankung, die insbesondere die Haut im Genitalbereich betreffen kann.
Dr. Robinson erklärt im Podcast, dass Veränderungen des Gewebes und eine Verengung des Scheideneingangs auftreten können und dass eine frühzeitige Erkennung wichtig ist.
Deshalb sollten länger anhaltende oder ungewöhnliche Beschwerden nicht einfach als normale Folge der Wechseljahre abgetan werden.
Häufige Fragen zu Scheidentrockenheit in den Wechseljahren
Ist Scheidentrockenheit in den Wechseljahren normal?
Scheidentrockenheit kann im Zusammenhang mit den hormonellen Veränderungen der Wechseljahre auftreten und ist weit verbreitet.
Trotzdem müssen Frauen die Beschwerden nicht einfach hinnehmen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern oder medizinisch zu behandeln.
Was sind typische Symptome von Scheidentrockenheit?
Typisch sind Trockenheit, Brennen, Juckreiz, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, kleine Einrisse oder Beschwerden beim Wasserlassen.
Auch Blutungen nach dem Sex können auftreten.
Warum wird die Scheide in den Wechseljahren trocken?
Eine wichtige Ursache ist der sinkende Östrogenspiegel: Östrogen beeinflusst Durchblutung, Elastizität und Feuchtigkeit der Vaginalschleimhaut, die dadurch dünner und empfindlicher werden kann.
Was hilft sofort gegen Scheidentrockenheit?
Gleitgele oder Feuchtigkeitspräparate können kurzfristig Beschwerden wie Reibung beim Geschlechtsverkehr reduzieren.
Bei länger anhaltenden Beschwerden sollte allerdings geklärt werden, welche Ursache dahintersteht.
Welches Gleitgel eignet sich bei Scheidentrockenheit?
Im Podcast empfiehlt Dr. Robinson hochwertige Produkte auf Wasser- oder Silikonbasis mit möglichst wenigen reizenden Zusatzstoffen; die individuelle Verträglichkeit kann unterschiedlich sein.
Hilft Östrogencreme gegen Scheidentrockenheit?
Lokales Östrogen kann bei hormonell bedingter Scheidentrockenheit eine mögliche Therapie darstellen.
Ob eine Östrogenbehandlung im individuellen Fall geeignet ist, sollte gynäkologisch abgeklärt werden.
Kann Scheidentrockenheit Schmerzen beim Sex verursachen?
Ja.
Ist die Vaginalschleimhaut trocken und empfindlich, kann Reibung zu Schmerzen, Brennen und kleinen Verletzungen führen.
Kann Scheidentrockenheit Blasenentzündungen verursachen?
Hormonelle Veränderungen können auch den Bereich der Harnwege beeinflussen.
Dadurch können Beschwerden auftreten, die einer Blasenentzündung ähneln oder möglicherweise wiederkehrende Probleme begünstigen.
Bei entsprechenden Symptomen sollte jedoch immer geprüft werden, ob tatsächlich eine Infektion vorliegt.
Kann zu viel Intimpflege Scheidentrockenheit verschlimmern?
Aggressive Reinigungsprodukte, Duftstoffe und übermäßige Intimpflege können empfindliche Schleimhäute reizen und das natürliche Milieu beeinflussen. Dr. Robinson empfiehlt deshalb: weniger ist oft mehr.
Muss man mit Scheidentrockenheit zum Frauenarzt?
Wenn Beschwerden länger bestehen, wiederkehren, Schmerzen verursachen oder mit Blutungen beziehungsweise Hautveränderungen verbunden sind, sollte eine gynäkologische Untersuchung erfolgen.
Scheidentrockenheit muss kein Tabuthema sein
Viele Frauen erleben Scheidentrockenheit in den Wechseljahren. Aus Scham werden Beschwerden häufig über Monate oder sogar Jahre ausgehalten.
Doch Schmerzen beim Sex, Brennen oder Trockenheit sind nichts, was einfach akzeptiert werden muss.
Dr. Robinson bringt die Botschaft der Podcastfolge deshalb sehr klar auf den Punkt:
Über Beschwerden sprechen, sie medizinisch abklären lassen und gemeinsam nach einer passenden Lösung suchen.
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